Gastbeitrag Wohntraum (Blogreihe)

Eigentumswohnung im Mietshaus mit Mini-Garten

Ich bin aufgewachsen in einem alten Haus, das mein Uropa selbst gebaut hat. Ein freistehendes 100qm-Häuschen in Feldrandlage mit kleinen Zimmern und riesigem Garten. So klein, dass ich jahrelang nur ein winziges Zimmer hatte, das mehr Schrank als Zimmer war. Aber dafür war der Garten umso größer. Dort stand mein Sandkasten, mein Kletterbaum, meine Schaukel. Im Sommer pflückte ich Himbeeren, Kirschen, Johannisbeeren und Walderdbeeren. Im Herbst sammelte ich Nüsse und Champignons. Und im Winter rutschte ich auf der Paella-Pfanne selbstgebaute Schneehügel herunter. Ich war meine ganz Kindheit eigentlich nur in diesem Garten. Und wenn man mir damals gesagt hätte, mein Wohntraum wäre eine Wohnung im ersten Stock eines kleinen Mietshauses mit einem mini Rasenstück – ich hätte mich vor ungläubigem Lachen wohl nicht mehr eingekriegt.

Doch jetzt, nachdem ich 25 Jahre in meinem Elternhaus gelebt habe, bin ich hier. In der großen Neubauwohnung mit mini Garten. Total verrückt. Aber manchmal kommen die Dinge einfach wie sie kommen. Und dann ist man mit der Realität plötzlich super glücklich. Aber von vorne.

Im Studium lernte ich den Iromann kennen und recht schnell zog ich zu ihm in seine 2-Zimmer-Dachwohnung. Wer schon mal mit Partner in zwei Zimmern gelebt hat, kann sich vielleicht vorstellen, dass man sich da irgendwann auf den Docht geht. Uns war klar: Sobald wir mehr Geld haben, wollen wir uns etwas Größeres suchen.

Wie es der Zufall so wollte, bekamen wir kurz nach unserem Diplom das Angebot, die Wohnung von meiner Schwägerin zu übernehmen. 150qm im ersten Stock eines kleinen Mietshauses mit insgesamt sechs Parteien in Feldrandlage. Plus kleinem Gartenstück und Garage. Jackpot! Doch nicht zur Miete, wir sollten sie kaufen. Lange haben wir überlegt, denn diese Wohnung war viel zu groß für uns. Zwei Zimmer zu groß. Und mit viel zu großem Wohnzimmer. Abgesehen davon, dass ich eigentlich immer ein Haus haben wollte mit großem Garten. So eine Wohnung wäre nur eine „Übergangslösung“.

Doch mit der Familienplanung im Hinterkopf schlugen wir ein. Den Garten nutzen wir erstmal nur selten, da wir um das komplette Haus laufen mussten, um dorthin zu kommen. Nur die Katzen hatten ihren direkten Zugang über eine „Hühnerleiter“ vom Balkon aus.

Drei Jahre nach unserem Einzug füllte sich unsere Wohnung – HerrSjardinski kam auf die Welt. Ich räumte mein Arbeitszimmer, wir bauten eine Treppe in den Garten und eine Solaranlage auf´s Dach. Wir investierten in unsere Wohnung. Ja, wir nutzen sogar den mini Garten etwas mehr – bauten einen Sandkasten auf, grillten dort und pflanzten Himbeeren. Und drei Jahre später war dann die Frage – zweites Kind oder Haus bauen?

Das ist vielleicht eine ziemlich beknackte Frage. Aber beides auf einmal wäre für uns nicht möglich gewesen. Wir besaßen zwar ein Grundstück für eine Doppelhaushälfte nur eine Straße weiter. Aber mit einem fetten Kredit an der Backe lässt es sich mühsam Häusle bauen, vor allem, wenn ein Gehalt wegbricht. Und schon gar nicht, wenn man handwerklich unbegabt ist. Und warum auch: eine Doppelhaushälfte wäre weder von der Wohnfläche noch vom Gartenstück eine deutliche Verbesserung.

Aber unsere Wohnung war für ein zweites Kind langfristig doch zu klein – jedenfalls wenn wir ein Arbeitszimmer behalten wollten. Das wir beruflich eigentlich brauchen. Aber ein zweites Kind braucht irgendwann auch mal ein eigenes Zimmer…Die Katze biss sich in den Schwanz.

Und wieder kam da Mister Zufall – eine Dachwohnung über unserer Wohnung wurde frei. Kurz entschlossen verkauften wir das Grundstück und mieteten die kleine Wohnung dazu. Bauten um mit Durchbruch und Wendeltreppe. Investierten wieder in die Wohnung, in der wir mittlerweile zu viert leben: der Iromann, HerrSjardinski, MisterWin und ich.

Ja, es ist eine Wohnung in einem Mietshaus. Aber wir haben nette Nachbarn. Das ist vor allem in Notsituationen beruhigend – und außerdem auch schön gesellig. Wir sparen Heizkosten, denn wir wohnen dicht an dicht. Wir müssen uns nicht komplett alleine um die Mülltonnen kümmern oder um den Schnee im Winter. Und innerhalb der Eigentümergemeinschaft kommen wir für Reparaturen am Haus auch nicht alleine auf. Das sind schon einige Vorteile, die gegen ein eigenes freistehendes Haus sprechen.

Das ist er: mein Wohntraum. Ok, der Garten ist mini. Das stört mich immer noch mega, denn weder Spielhäuschen noch Schaukel haben hier Platz. Mit den Kindern Obst- und Gemüse anbauen wäre schön. Und ein Kletterbaum ein großer Traum. Aber auch hier – wenn es der Zufall mal wieder gut mit uns meint – könnte ganz bald eine Lösung kommen. Bitte Daumen drücken!

 

Die Autorin über sich:

Bildrechte: mutterundsoehnchen.com

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Ich bin Marsha, 34 Jahre alt und wohne in der Nähe von Frankfurt am Main. Ich blogge auf mutterundsoehnchen.com über den chaotischen Alltag mit meinen zwei Jungs. Und ein bisschen Kindermode ist auch dabei ?

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