Gastbeitrag Wohntraum (Blogreihe)

Erst kam der Traum, dann das Haus

wohntraum
Bildrechte: @maizwerg

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Über mich:
Ich bin A., 28 Jahre alt und schreibe auf Twitter als @Maizwerg. Ich bin seit einem Jahr Mama einer Tochter und seit neun Monaten glücklich verheiratet. Wir leben erst seit sechs Monaten in unserem Traumhaus in der Nähe von Leipzig. Wir hatten also ein ganz schön stressiges Jahr 😉

 

Der Weg zum eigenen Haus

Meine Familie gehört nicht zu den klassischen Häusle-Bauern. Nur ein paar meiner Verwandten haben Häuser und so war es für mich immer selbstverständlich in einer Wohnung zu leben. Schon als ich als Studentin in meine eigenen vier Wände zog, empfand ich die monatliche Miete als pure Geldverschwendung – so auch mein damaliger Freund (und jetzt Ehemann). Im Gegensatz zu mir kennt er es nicht anders als in einem Haus zu leben. Ich glaube in seiner Familie leben nur ein, zwei Verwandte in Wohnungen. Ja so unterschiedlich kann das sein. Anfangs prallten also irgendwie zwei Welten aufeinander. Aber den Traum vom eigenen Haus – wer hat ihn nicht? Für mich lag das alles ganz weit in der Zukunft, denn so etwas will ja auch bezahlt werden. So träumten wir also davon, irgendwann mal eine Familie zu gründen, einen Baum zu pflanzen und ein Haus zu bauen 😉

Neun Jahre später gehört uns ein riesiges Grundstück mit einem echten Haus darauf. Wie konnte das denn passieren? Wenn ich das wüsste. Ich wurde schwanger und der Mann entwickelte irgendwie einen unbändigen Nestbautrieb. Wahrscheinlich erfüllte ihn das mit Freude auch etwas für unsere wachsende Familie tun zu können und zu müssen. Er fing also an nach Häusern zu suchen, einen Zwangsversteigerungskatalog zu abonnieren. Einen Neubau zogen wir zwar anfangs in Betracht, aber aufgrund des Preis-Leistungs-Verhältnisses entschieden wir uns relativ schnell dagegen, da „nur“ ein 130qm-Haus ohne Keller drin gewesen wäre.

Glücklicherweise waren unsere Vorstellungen nahezu identisch. Wir wollten nicht in so einer „spießigen“ Neubausiedlung leben, in der die Rasenkante exakt auf 5mm getrimmt sein muss. Wir wollten Platz, auch um eine Werkstatt für den Herzmann einzurichten, vielleicht ein paar Hühner zu halten. Eigentlich wollten wir am Rande von Leipzig bleiben, da wo wir gerade schon lebten – klassisch im Speckgürtel. Nur wollen das viele andere auch. Das treibt zum einen die Preise enorm in die Höhe, zum anderen sind interessante Objekte furchtbar schnell weg. Wir wollten während der Suche ein Haus für uns reservieren, das wir 3 Stunden vorher angeschaut hatten – schon da war eine andere Familie schneller.
Nach ca. 7 Monaten und einigen Besichtigungen später (er war da teilweise allein, da ich mit Babybauch von dem Thema irgendwie genervt war) fand mein Mann DAS Haus. Alles war perfekt, die Raumaufteilung, die Ausstattung: zwei Kamine – einer mit Fliesen von 1900, zwei Bäder, zwei Kinderzimmer, ein Wintergarten, ein Waschraum, eine Doppelgarage, ein Holzschuppen, ein Gartenhaus. Nur das Grundstück war riesengroß und die Entfernung nach Leipzig 40 Minuten. Der Mann schaute es sich an und nervte mich damit dann wochenlang. Im 8. oder 9. Monat fuhr ich also mit in der Annahme, dass sich das Thema dann endlich erledigt hat. Denn wer will denn bitte mit neugeborenem Baby umziehen? Die Besichtigung war sehr toll, aber ich wollte nicht mehr darüber nachdenken und erstmal unsere Tochter bekommen und die Zeit mit ihr genießen. Das verstand er auch. Vier, fünf Monate später stand das Haus immer noch zum Verkauf und wir entschieden uns aller Vernunft entgegen, ein Haus, DAS Haus zu kaufen.

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Der Notartermin fand im Oktober statt und im Januar 2015 sind wir also mit zwei Katzen im Gepäck hierher gezogen – in ein zwölf Jahre altes Haus mit 200m² Wohnfläche und 8000m² Grundstück. Für den Herzmann ist es ein Traum, da er auf einem Bauernhof aufgewachsen ist. Ich lasse mich davon einfach mittreiben und freue mich auf unsere gemeinsame Zukunft und das Leben auf dem Land mit ganz viel Platz und Entfaltungsmöglichkeiten für unsere Kinder und einen Ruhepol als Ausgleich für die Arbeit. Und diese Ruhe ist uns so viel wert. Manchmal stehen Rehe keine 50m vor unserem Haus, ich habe in den paar Monaten schon Vögel und Käfer gesehen, deren Art ich gar nicht kenne.

Ich denke es gibt zwei Arten von Menschen: die, die zentrumsnah leben möchten, mit sofortiger Anbindung an Einkaufsmöglichkeiten, Schulen etc. und die, die Natur um sich wollen und dafür weitere Wege auf sich nehmen. Ein Leben ohne Auto geht für uns nun nicht mehr. Aber ich bin trotzdem in drei Minuten auf dem Markt einer 17000 Einwohner Stadt. Wir gehören eindeutig zur zweiten Kategorie. Bis jetzt bin ich sehr glücklich über unsere Entscheidung und habe es noch keine Sekunde bereut.

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