Gastbeitrag Wohntraum (Blogreihe)

Mein Wohntraum – Nicht perfekt, aber mit Charakter

Wie und wo wir leben, sagt viel über uns aus. Und doch können nur wenige genau so leben, wie sie es sich wünschen, aber sie versuchen es sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten schön zu machen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir es alle schön haben wollen, dass nur unsere Verständnisse von dem, was als schön gilt, variiert.

Ich bin in einem großen Einfamilienhaus mit Garten am Stadtrand großgeworden. Wie Großstadt hat es sich dort nie angefühlt und doch war man schnellmittendrin im Stadtleben. Ich kannte die Nachbarn und auch die Namen der Nachbarshunde. Wald und Garten waren mein zweites zu Hause und wenn daheim niemand auf mich wartete, dann ging ich einfach zu meinen Großeltern, denn die wohnten sowohl mütterlicherseits als auch väterlicherseits in Spuckweite. Ich genoss die Nähe zu meinen Liebsten und zugleich die Möglichkeiten, mich frei bewegen zu können. Mein eigenes Zimmer war nur einer meiner Rückzugsräume, denn ich kannte unzählige geheime Orte in Haus und Garten.

Die perfekte Wohnung – für den Moment

Zu Beginn des Studiums zog ich schließlich in meine eigene Wohnung und anschließend mit meinem Freund zusammen, mit dem über Jahre in einer kleinen 2-Zimmer-Wohnung lebte. Als 2013 plötzlich klar war, wir würden bald zu dritt sein, begannen wir sofort, nach einer neuen Wohnung Ausschau zu halten. Eigentlich suchten wir im Berliner Süden. Wir wünschten uns eine Mischung aus Stadtrand und City-Nähe. Nur einen einzigen Stadtteil in nördlicheren Berliner Gefilden zogen wir in Betracht und auch nur, weil wir ihn schon kannten. Dort lebten Menschen, die wir mochten und die Nähe zur Universität war gegeben. Natürlich wurde es genau dieser Stadtteil. Berlin Moabit. Urban, multikulturell, bunt, aufstrebend, mitten drin in der Gentrifizierung und zugleich noch angenehm bodenständig, jedoch auch laut und schmutzig.

Wir fanden eine große 3,5-Zimmer-Altbauwohnung mit Berliner Zimmer, moderner Küche, saniertem Bad und kleinem Balkon. Wir machten es uns gemütlich und überlegen bis heute stetig, wie wir es uns noch schöner machen können. Es ist die perfekte Wohnung für den Moment und dieser Moment wird sicherlich noch einige Zeit andauern. Wir haben hier derzeit alles, was man so braucht. Haufenweise Spielplätze, kurze Arbeitswege, freundliche Nachbarn. Doch wir wissen auch, dass wir hier nicht ewig wohnen werden. Die Miete ist hoch, wenngleich viele andere für vergleichbaren Wohnraum mittlerweile oft noch mehr zahlen müssen. Auch ist die Wohnung groß, aber langfristig, wenn erst einmal ein Geschwisterkind da ist, welches irgendwann auch ein eigenes Zimmer haben möchte, dann wird der Platz trotzdem nicht reichen.

Von der Wohnung zum Wohntraum

Ja wir machen es uns schön in der Wohnung, aber unser Wohntraum ist Eigentum. Ein Zuhause, welches nur uns gehört und das wir unseren Wünschen entsprechend formen und gestalten können. Seit ich Mutter bin, finde ich auch plötzlich einen Garten gar nicht mehr spießig, sondern erinnere mich an meine eigene Kindheit und ertappe mich auch bei Gedanken daran, einen traumhaften Garten mit wilden Ecken, Sitzecke, Grillplatz, Hängematte, Spielgeräten und Blumen herzurichten. Mein Wohntraum hat einen Garten. Es ist noch gar nicht lange her, da hätte ich mir das nicht so vorstellen können.

Mein Wohntraum ist eher ein Eigenheim und keine Eigentumswohnung. Ein freistehendes Haus ohne allzu direkte Nachbarn. Aber ich stelle mir kein neu gebautes Haus vor, sondern lieber ein älteres Gebäude mit Charakter. Ich will keine weiße Landkarte, auf der ich alles frei entwerfen kann. Vielmehr stelle ich es mir traumhaft vor, die Geschichte eines Hauses weiterzuerzählen und mit unserem Familienleben zu füllen.

Bilder von Pixabay

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In meinem Wohntraum haben wir zwei Etagen und einen halbwegs ausgebauten Dachboden. Unsere erste große Investition ist eine klimafreundliche Heizung und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, doch auch Bäder und Küche müssen saniert werden. Im einem Bad installieren wir eine ebenerdige Dusche und in einem anderen eine große Badewanne, die zur Hälfte in den Boden eingelassen ist und in der auch große Menschen wirklich gut Platz finden.

Glücklicherweise können wir die Dielen im ganzen Haus abziehen und neu lasieren. In so einem alten Haus knirscht und knackt es natürlich auch mal, aber die massive Bauweise und die Holzfußböden geben jedem, der das Haus betritt, sofort das Gefühl von Sicherheit und Heimeligkeit. Die Zimmer sind alle unterschiedlich groß und das Haus ist verwinkelt. Das Gemäuer ist alt und die Wände sind so dick, dass die Hitze im Sommer draußen bleibt und die Wärme drinnen. An der Fassade ranken Pflanzen empor.

Platz ist Luxus und ich genieße den Luxus, für verschiedene Zwecke eigene Zimmer zu haben. Unsere vielen Bücher finden in einer kleinen Bibliothek Platz, in der auch ein Kamin und Ohrensessel stehen. Nicht nur unsere Kinder, sondern auch wir Eltern haben jeder auch ein eigenes Zimmer. Natürlich haben wir Eltern trotzdem ein gemeinsames Schlafzimmer. Sogar ein Gästezimmer ist da, welches zur Not zu einem weiteren Kinderzimmer umgebaut werden kann, falls das zweite Kind doch plötzlich Zwillinge werden sollten…

UnserWohntraumTerrorpüppi

Bilder von Pixabay

Das Wohnzimmer ist groß und gastfreundlich und man kann von hier aus direkt die Gartenterrasse betreten. Die Küche ist eine Wohnküche, in der nicht nur gekocht, sondern auch gelebt wird. In ihr steht ein riesiger Esstisch, damit auch Gäste stets Platz an ihm haben. Panoramafenster geben außerdem die Sicht auf den Garten frei und große alte Bäume spenden Schatten – aber natürlich nicht zu viel, denn hell und freundlich soll es schon sein.

Die Einrichtung des Hauses ist eine Mischung aus alten und modernen Möbeln. Es ist nie perfekt sauber und ordentlich und genau deshalb ist es für uns perfekt. Es ist unser Zuhause, in dem nicht nur wir uns wohl fühlen, sondern jeder, den wir willkommen heißen.

Obwohl ich mit Hund und Katze aufgewachsen bin, wird es in meinem Wohntraum nur einen Kater geben, aber keinen Hund. Dieser Kater wird mich manchmal an meinen eigenen Kater erinnern, der mich nach dem Tod meiner Oma als sein neues Frauchen einst erwählte. Noch häufiger aber wird er mich zum Staunen und Schmunzeln bringen, weil er doch ganz anders ist.

Bilder von Pixabay

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Was davon überhaupt realistisch ist? Die Zukunft wird es zeigen. Genauso wie ich erst in der Zukunft wissen werde, ob dieser Wohntraum ein Wohntraum bleibt oder ob sich unsere Wohnbedürfnisse erneut ändern werden.

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Bildrechte: terrorpueppi.blogspot.de

Die Autorin über sich:

Meinen Blog Terrorpüppi könnte man zum einen als typischen Mama-Blog beschreiben, auf dem ich von den Freuden und Leiden der Mutterschaft schreibe, Kinderbücher empfehle oder mich mit Erziehungsfragen auseinandersetze. Auch Fragen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf tauchen hier gerne mal auf.

Doch eigentlich ist es auch der Blog einer Frau, die auch, aber eben nicht nur Mama ist. Neben den erwartbaren Mama-Themen setze ich mich auch mit dem von mir bevorzugten sozialen Netzwerk Twitter oder gesellschaftlich relevanten Themen auseinander.
Besucht mich doch auf meinem Blog, oder folgt mir auf Twitter, Facebook oder Instagram.

2 Kommentare

  1. Hej, was für ein wunderschöner Wohntraum, ich wünsche Dir sehr, dass er wahr wird! Gerade Deinen Wunsch nach einem Garten kann ich gut verstehen, für Kinder ist das einfach herrlich ☺

    Viele liebe Grüße, Küstenmami

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