Familienleben

So wie du bist

Lieber Sohn,

manchmal haben wir es wirklich nicht leicht miteinander. Deine manchmal sehr „spezielle“ Art kann mich wirklich oft in den Wahnsinn treiben. Du magst nicht wenn andere lachen, schon gar nicht wenn man über dich lacht (gut, das ist verständlich!), du sagst nicht gerne „Hallo“ und wenn ich mich auf der Straße mit jemandem unterhalte gefällt dir das auch gar nicht und dann kannst du richtig böse werden.

Du trittst oder haust auch gerne nach mir, wenn dir etwas nicht passt und wenn der Papa auf Dienstreise ist, legst du einen Wutanfall nach dem anderen hin. Manchmal kann ich dann einfach nur noch weinen.

Nach langer Recherche im Internet kam ich dann zu dem Entschluss, dass du eventuell hochsensibel bist. Ich beobachte das jetzt schon über längere Zeit, bin mir da aber einfach nicht sicher. Doch viele Punkte treffen einfach zu:

  • du bist kein Gruppenmensch, hast aber ein paar sehr feste Freundschaften
  • es dauert lange bis du in fremder Umgebung warm wirst und dich an fremde Menschen gewöhnst (deine Eingewöhnung im Kindergarten hat ewig gedauert)
  • auf Feiern mit vielen (fremden) Menschen brauchst du erst deine Zeit um aufzutauen und das Ansprechen von anderen Menschen magst du dort gar nicht
  • du magst es gar nicht, wenn andere Leute Schmerzen haben
  • du magst keine Unordnung, produzierst aber gerne selber das größte Chaos
  • du bist ein Perfektionist und die kleinsten Fehler gefallen dir nicht gerne
  • du bist sehr zappelig und lässt dich leicht ablenken (vor allem beim Anziehen)
  • du erinnerst dich an Dinge die schon sehr lange zurückliegen (Dinge, die selbst ich schon vergessen habe)
  • du redest manchmal ohne Punkt und Komma und musst dich mitteilen (aber nur von alleine, etwas nachfragen darf ich nie)
  • du schläfst sehr unruhig und hast auch öfter einen sogenannten „Nachtschreck“
  • du bist manchmal richtig unruhig und musst alles anfassen
  • schon als Kleinkind hattest du oft mit Ohrenschmerzen zu tun
  • das Kinderturnen hast du abgebrochen, weil es dir in der Halle zu laut war (laute Geräusche magst du gar nicht)
  • du hast eine ausgeprägte Phantasie, die mich immer wieder zum Staunen bringt
  • als Kleinkind wolltest du alles alleine machen und warst schnell gereizt, wenn es nicht so klappte (manchmal heute noch so)
  • du bist sehr vorsichtig bevor du neue Dinge ausprobierst
  • Anziehen, Zähne putzen, usw. geht nicht ohne einen Protest von dir
  • dich interessiert die ganze Welt, denn du möchtest alles wissen und erklärt haben
  • dir ist es wichtig, dass Regeln und Versprechen eingehalten werden
  • deine Trotzphase ist sehr ausgeprägt und deine Gefühlsausbrüche sehr stark

 

Auch wenn wirklich viele Eigenschaften auf dich zutreffen, werde ich dich weiter beobachten ohne einen endgültigen Entschluss zu fällen und vielleicht auch mal mit deiner Kinderärztin drüber sprechen. Allerdings würde mir durch die Hochsensibilität so einiges klar werden und dann müssen wir uns ändern, dich stärker bei deinen Bedürfnissen unterstützen. Du bist normal und sollst so bleiben wie du bist!

Um es mit den Worten von Rolf Zuckowski zu sagen:

So wie du bist,
so wie du bist,
so und nicht anders sollst du sein.
So wie du bist,
so wie du bist,
so bist du für mich der Sonnenschein.

Deine Mama

Unterschrift

Quelle: http://www.anerkennung-sozial.de/2014/02/hochsensibilitat-teil-2-%E2%80%93-hochsensible-kinder/

2 Kommentare

  1. Viele haben ja mittlerweile die Sorge, dass damit eine neue Schublade aufgemacht wird, in die Kinder, die ein bisschen anders sind, hineingepresst werden. Das sehe ich nicht so, sondern finde es sehr wichtig, sein Kind zu beobachten, wie Du es machst. Ich glaube, er wird selbst erst als Erwachsener sagen können, ob es auf ihn zutreffen könnte, aber Eltern hilft es tatsächlich, zu wissen, dass es so etwas gibt und viele (ca. 15-20%) der Menschen, also auch Kinder, hochsensibel sind, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung.
    Ich finde es auch gut, dass Du nicht gleich endgültig sagst, das ist es und fertig, sondern weiter offen bleibst. Es hilft unglaublich, wenn man sich damit beschäftigt, um ein paar Strategien zu entwickeln, wie man seinem Kind vielleicht anders begegnen kann. Und dann, wenn man diese Strategien anwendet, merkt man ja auch erst, ob sie greifen und ob das Kind darauf positiv reagiert. Auch fühlt man sich gewappneter gegenüber anderen Menschen, die Dein Kind nicht verstehen. Also lass Dich nicht beirren, weder von Menschen, die das nicht nachvollziehen können, weil sie einfach ein anderes Kind haben, noch von Menschen, die vielleicht selbst erst eine Hochsensibilität entdeckt haben und das als etwas Exklusives sehen. Ich bin gespannt, was Du über Deine Tochter berichten wirst, wenn sie größer wird. Den Unterschied zwischen einem hochsensiblen und einem nicht-hochsensiblen Kind sieht man meiner Meinung nach ziemlich gut.
    Liebe Grüße!

    • Vielen lieben Dank für deinen Kommentar.
      Ich finde es einfach wichtig sich mit dem Thema zu beschäftigen und ich merke ja schon jetzt die kräftigen Unterschiede der beiden Kinder. Ob es an einer Hochsensibilität liegt, kann ich aber nicht zu 100% sagen. Mit beschäftigen muss ich mich aber einfach. Und wenn andere es für eine „Welle“ halten, dann sollen sie es doch. Ich gehe darauf einfach nicht ein! Ich möchte schließlich das Beste für mein Kind und deshalb muss ich mich damit einfach auseinandersetzen. Und wenn ich am Ende nur ein paar neue Ideen habe, wie ich mit meinem Kind umgehen kann, bzw. Startegien die das Leben für uns erleichtern.

      Liebe Grüße!

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